Bei Vorhofflimmern können Bewegung, ein gesundes Gewicht, wenig oder kein Alkohol und erholsamer Schlaf einen Unterschied machen. Professor Thomas Meinertz erklärt, welche Lebensstiländerungen wissenschaftlich gestützt sind, warum Begleiterkrankungen konsequent behandelt werden sollten und weshalb Abnehmen allein die Rhythmusstörung meist nicht beseitigt. Ein Gespräch über persönliche Stellschrauben, individuelle Auslöser und die Grenzen der Selbsthilfe.
Schon gewusst?
Sport kann als eigenständige Therapiemaßnahme bei Patienten mit Vorhofflimmern wirken. Das belegen die Daten der ACTIVE-AF-Studie. Dabei erhielten 60 Patienten mit symptomatischen Vorhofflimmern ein sechsmonatiges spezielles Sportprogramm. Dieses bestand aus beaufsichtigen intensiveren Trainingsstunden (1-2 x pro Woche) sowie leichteren Einheiten, die von den Teilnehmer selbstständig zuhause vorgenommen werden sollten wie Walken oder Fahrradfahren.
Insgesamt wurde die aerobe Aktivität der Teilnehmer um 3,5 Stunden pro Woche gesteigert. 60 weiteren Patienten wurde zwar ein Ausdauertraining angeraten, aber ohne Kontrolle. Zwölf Monate später war der Anteil der Patienten, die ein Vorhofflimmern-Rezidiv erlitten haben, in der aktiven Sport-Gruppe merklich geringer als in der Kontrollgruppe.
Das Risiko für neue Vorhofflimmern-Anfälle war durch die Sportbegleitung um die Hälfte reduziert worden. In der Sportgruppe hatten mehr Patienten einen normalen Sinusrhythmus – ohne dass sie eine Ablationstherapie oder eine rhythmisierende medikamentöse Therapie benötigt hätten. Auch die Symptomschwere war deutlich zurückgegangen, es gab seltener schweres Herzstolpern, Kurzatmigkeit und Fatigue, also starke Ermüdbarkeit.
Quelle: An Exercise and Physical Activity Program in Patients With Atrial Fibrillation: The ACTIVE-AF Randomized Controlled Trial; JACC: Clinical Electrophysiology, 2023; https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacep.2022.12.002
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.