Das LDL-Cholesterin als kardiovaskulärer Risikofaktor wird inzwischen meist routinemäßig kontrolliert beim Arztbesuch – etwa im Rahmen des Check-up 35. Zunehmend rückt unter den Blutfettwerten jedoch ein weiterer, überwiegend genetisch bedingter Marker in den Fokus der Präventivmedizin: das Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Eine aktuelle Auswertung der großen Women's Health Study hat nun belastbare Daten geliefert, wie stark dieser Wert das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall bei Frauen über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten beeinflusst.
Was hat die Studie untersucht?
Ziel dieser großangelegten Untersuchung war es, den langfristigen prognostischen Wert von Lipoprotein(a)-Konzentrationen bei herzgesunden Frauen zu bestimmen. Die Teilnehmerinnen waren zu Studienbeginn im Durchschnitt 53 Jahre alt und litten weder an Herzerkrankungen noch an Krebs oder anderen schwerwiegenden chronischen Leiden. Einmalig wurde Blut abgenommen und der Lp(a)-Wert bestimmt.
Forscherinnen und Forscher der Harvard-Universität und des Brigham and Women's Hospital in Boston untersuchten rund 30 Jahre später den Zusammenhang zwischen verschiedenen Lp(a)-Schwellenwerten und dem Auftreten schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse – darunter Herzinfarkte, Schlaganfälle, koronare Reinterventionen wie Stents oder Bypässe sowie kardiovaskulär bedingte Todesfälle.
Zentrales Ergebnis: Hohe Lp(a)-Werte sind besonders kritisch
Die Analyse ergab einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Lp(a)-Konzentration und dem Langzeitrisiko. Bereits ab einem Lp(a)-Wert von über 30 mg/dl war das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und die Entstehung einer Herzerkrankung erhöht. Bei sehr hohen Werten über 120 mg/dl ließ sich darüber hinaus ein merklich gesteigertes Risiko für Schlaganfall und Herztod nachweisen.
Je nach betrachtetem Ereignis lag das Risiko 54 bis 80 Prozent höher als bei Frauen mit einem niedrigen Lp(a)-Wert unter 11 mg/dl. Besonders ausgeprägt zeigte sich der Einfluss auf die Entstehung von Herzerkrankungen. Bei Frauen mit einer bestimmten genetischen Variante von Lp(a) war das Risiko für Herz und Gefäße sogar noch höher.
Fazit: Risikovorsorge durch Screening
Die Studie verdeutlicht nach Einschätzung der Forschenden, dass eine einmalige Bestimmung des Lipoprotein(a)-Wertes das kardiovaskuläre Risiko für die kommenden 30 Lebensjahre zuverlässig vorhersagen kann. Sie sprechen sich deshalb für ein generelles Screening auf diesen Risikofaktor aus.
Lipoprotein(a) ist zwar größtenteils genetisch bedingt und lässt sich durch Ernährung oder Sport kaum senken. Wer seinen Wert aber kennt, kann bei hohem Risikopotenzial gemeinsam mit dem Arzt andere Risikofaktoren wie Blutdruck, LDL-Cholesterin oder Rauchen gezielter angehen. Zudem befinden sich neue Medikamente, die Lp(a) spezifisch senken sollen, bereits in klinischer Erprobung.
- Thirty-Year Risk of Cardiovascular Disease Among Healthy Women According to Clinical Thresholds of Lipoprotein(a); JAMA Cardiology,1/2026; doi:10.1001/jamacardio.2025.5043
Experte
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.
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