Am Puls lassen sich die Herzfrequenz, der Herzrhythmus und die Stärke der Pulswelle beurteilen. Man kann feststellen, ob der Puls schnell oder langsam, regelmäßig oder unregelmäßig sowie kräftig oder schwach ist. Alter, Trainingszustand, Medikamente, Infekte und die aktuelle körperliche oder seelische Belastung können den Puls beeinflussen. Wichtiger als eine einzelne Zahl ist deshalb, ob der Puls in Ruhe dauerhaft auffällig ist, unregelmäßig schlägt oder Beschwerden verursacht.
In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Pulswerte normal sind, wie Sie Ihren Puls richtig messen und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Was ist der Puls?
Das Blut, das bei einem Herzschlag in die Arterien gepumpt wird, kommt dort als tastbare Druckwelle an – spürbar etwa an der Halsschlagader oder an der Speichenarterie an der Unterseite des Handgelenks. Diese Druckwelle wird Puls genannt. Die Pulsfrequenz wiederum gibt an, wie oft in der Minute das Pulsieren zu spüren ist.
Die Zahl der tastbaren Pulsschläge entspricht meist der Herzfrequenz (= Herzschläge pro Minute). Zusätzlich lassen sich beim Tasten Rhythmus und Stärke des Pulses beurteilen.
Gut zu wissen:
Nicht jeder Herzschlag erzeugt eine ausreichend kräftige Pulswelle, die am Handgelenk tastbar ist. Das kann etwa bei Vorhofflimmern oder häufigen Extraschlägen vorkommen. Ist die am Handgelenk gezählte Pulsfrequenz niedriger als die mit dem Stethoskop oder EKG bestimmte Herzfrequenz, sprechen Ärzte von einem Pulsdefizit.
Welcher Ruhepuls ist normal?
Der Ruhepuls beschreibt die Anzahl der Herzschläge pro Minute, wenn der Körper entspannt ist, beispielsweise im Sitzen oder Liegen. Bei gesunden Erwachsenen liegt die Pulsfrequenz in Ruhe meist zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute. Werte bis zu 100 Schlägen pro Minute können noch im Normbereich liegen. Ist der Wert dauerhaft über 100, sollte die Ursache jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Welche Pulswerte sind in welchem Alter normal?
| Altersgruppe | Ruhepuls (Schläge pro Minute) |
| Neugeborene | 100–180 |
| Kleinkinder | 60–140 |
| Ältere Kinder und Jugendliche | 60–135 |
| Jugendliche | 60–120 |
| Erwachsene | 60–80 |
| Ältere Menschen | Ruhepuls kann wieder leicht ansteigen |
Die Werte in der Tabelle sind Orientierungsbereiche, keine starren Grenzwerte. Je jünger ein Mensch ist, desto schneller schlägt sein Herz in der Regel. Besonders bei Kindern hängen normale Pulswerte daher stark vom genauen Alter, vom Wach- oder Schlafzustand, von Fieber und Aufregung ab. Bei Erwachsenen beeinflussen neben der individuellen Veranlagung unter anderem Ausdauertraining, Flüssigkeitsmangel, Blutarmut, Schilddrüsenerkrankungen, Infekte sowie Medikamente den Ruhepuls.
Bei Frauen ist der Ruhepuls im Durchschnitt etwas schneller als bei Männern; für die Beurteilung einer einzelnen Person ist dieser Durchschnittsunterschied jedoch wenig aussagekräftig.
Ob Werte noch normal sind oder nicht, hängt vielmehr davon ab, ob die Pulsfrequenz sehr häufig erhöht oder erniedrigt ist sowie von Begleitumständen und vor allem von eventuell vorhandenen Beschwerden. Dies gilt insbesondere, wenn Symptome wie Schwindel, Luftnot, Brustschmerz, Leistungsknick oder Ohnmacht hinzukommen. Dann sollte ein Arzt das genauer untersuchen.
Wann ist der Puls zu hoch?
Ein dauerhaft hoher Ruhepuls kann verschiedene Ursachen haben. Mediziner sprechen bei einem beschleunigten Herzschlag von einer Tachykardie. Bei Erwachsenen liegt diese in der Regel vor, wenn das Herz in Ruhe mehr als 100-mal pro Minute schlägt.
Ein hoher Puls muss jedoch nicht immer auf eine Herzerkrankung hinweisen. Zu den möglichen Ursachen gehören:
- Körperliche Anstrengung,
- Stress, Schmerzen oder Aufregung
- Fieber, Flüssigkeitsmangel oder Blutverlust
- Koffein, Nikotin, Alkohol oder andere anregende Substanzen
- Blutarmut oder eine Überfunktion der Schilddrüse
- Medikamente, etwa bestimmte Asthmasprays oder abschwellende Erkältungsmittel
Auch Herzrhythmusstörungen können einen erhöhten Puls verursachen. „Wichtig ist zu klären, ob der Puls dauerhaft zu hoch ist oder nur vorübergehend ansteigt. Ein häufiger Ruhepuls von über 100 sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden“, rät der Herzspezialist der Deutschen Herzstiftung Prof. Dr. med. Thomas Meinertz.
Wann ist der Puls zu niedrig?
Schlägt das Herz bei Erwachsenen in Ruhe weniger als 60-mal pro Minute, sprechen Mediziner von einer Bradykardie. Ein langsamer Herzschlag ist jedoch nicht automatisch gefährlich. Besonders bei gut trainierten Menschen wie Ausdauersportlern ist der Ruhepuls häufig niedriger, weil ihr Herz mit jedem Schlag mehr Blut durch den Körper pumpen kann.
Aber auch bestimmte Medikamente oder Herzerkrankungen können den Herzschlag verlangsamen. Ob ein niedriger Puls bedenklich ist, hängt deshalb unter anderem vom Trainingszustand, möglichen Erkrankungen und begleitenden Beschwerden ab.
Ein Ruhepuls von unter 40 Schlägen pro Minute sollte insbesondere bei Menschen, die keinen Ausdauersport betreiben, ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch, wenn bei einem niedrigen Puls Beschwerden auftreten, beispielsweise:
- Schwindel
- Müdigkeit oder ausgeprägte Schwäche
- Atemnot
- Ohnmacht
Merke:
Ein Ruhepuls über 100 Schlägen pro Minute wird als Tachykardie bezeichnet, ein Ruhepuls unter 60 als Bradykardie. Beides ist nicht automatisch krankhaft. Wiederholt gemessene auffällige Werte – etwa eine Bradykardie mit weniger als 40 Schlägen pro Minute – sollten jedoch ärztlich eingeordnet werden. Bei starken Beschwerden, anhaltendem Brustschmerz, schwerer Atemnot oder Bewusstlosigkeit gilt: sofort den Notruf 112 wählen.
Wie misst man den Puls?
Den Ruhepuls können Sie ganz einfach selbst messen. Am besten eignet sich dafür die Speichenarterie an der Innenseite des Handgelenks unterhalb des Daumens.
- Zur Ruhe kommen: Setzen oder legen Sie sich vor der Messung einige Minuten entspannt hin. Messen Sie nicht direkt nach Sport, einer Zigarette, Kaffee oder einer größeren Mahlzeit.
- Puls ertasten: Legen Sie Zeige- und Mittelfinger an die Innenseite des Handgelenks unterhalb des Daumens. Drücken Sie nur so fest, dass Sie die Schläge gut spüren.
- Schläge zählen: Zählen Sie die Schläge 30 Sekunden und verdoppeln Sie den Wert. So erhalten Sie Ihre Pulsfrequenz pro Minute. Ist der Puls unregelmäßig oder sehr langsam, zählen Sie eine volle Minute.
- Ergebnis einordnen: Notieren Sie bei wiederholt auffälligen Werten Puls, Uhrzeit, Situation und mögliche Beschwerden. Diese Angaben helfen bei der ärztlichen Beurteilung.
Die besten Ergebnisse erhält man, wenn der Ruhepuls am Morgen, kurz nach dem Aufstehen, gemessen wird.
Wichtig: Nicht den Daumen benutzen, um den Puls zu ertasten. Der Daumen hat seinen eigenen Puls, und der ist oft so stark, dass er andere Pulswellen übertönt.
Puls messen einfach erklärt
Was bedeutet ein unregelmäßiger Puls?
Beim Pulsmessen kommt es nicht nur auf die Anzahl der Schläge an. Auch der Rhythmus ist wichtig. Normalerweise schlägt das Herz regelmäßig. Ist der Puls hingegen unregelmäßig, kann eine Herzrhythmusstörung dahinterstecken.
Eine mögliche Ursache ist Vorhofflimmern, die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Dabei schlagen die Herzvorhöfe sehr schnell und unregelmäßig. Das kann dazu führen, dass auch der tastbare Puls unregelmäßig ist.
Vorhofflimmern verursacht nicht immer Beschwerden und bleibt deshalb häufig lange unbemerkt. Die Erkrankung kann jedoch das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen, unabhängig davon, ob Symptome bemerkt wurden.
Wichtig:
Ein unregelmäßiger Puls bedeutet nicht automatisch, dass Vorhofflimmern vorliegt. Einzelne Extraschläge sind häufig und oft harmlos. Fällt die Unregelmäßigkeit wiederholt auf, sollte der Herzrhythmus ärztlich untersucht werden. Zur Diagnose ist ein EKG erforderlich; bei nur gelegentlichen Episoden kann ein Langzeit- oder Ereignis-EKG sinnvoll sein. Hinweise einer Smartwatch können Anlass für eine Abklärung sein, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose.
Wie hoch darf der Puls beim Sport sein?
Bei körperlicher Aktivität benötigen die Muskeln mehr Sauerstoff. Das Herz schlägt schneller, um mehr Sauerstoff in die Zellen zu transportieren. Damit steigt auch die Pulsfrequenz deutlich an. Wie hoch er dabei sein darf, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl für alle Menschen beantworten. Neben der individuellen Veranlagung spielen Alter, Sportart, Temperatur, Medikamente und Erkrankungen eine Rolle.
Als groben Richtwert zur Abschätzung der maximalen Herzfrequenz wurde häufig die Formel „220 minus Lebensalter“ verwendet. Bei einem gesunden 40-Jährigen ergibt sich damit beispielsweise ein geschätzter Wert von 180, bei einem 60-Jährigen von 160 Schlägen pro Minute. Die tatsächliche Herzfrequenz kann individuell jedoch stark davon abweichen.
Entscheidend ist zudem, wie sich der Puls bei körperlicher Belastung entwickelt: Normalerweise steigt der Herzschlag allmählich an und sinkt bei Ende der Belastung wieder langsam ab. Die Einnahme von Betablockern kann jedoch ein Grund sein, weshalb die Pulsfrequenz nur wenig oder langsam ansteigt. Beginnt das Herz allerdings schlagartig zu rasen, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.
Für gesunde Freizeitsportler ist es daher oft sinnvoller, auf das eigene Körpergefühl zu hören, als sich allein an der Faustformel für den maximalen Puls zu orientieren. Bei mäßiger Belastung sollte ein Gespräch in kurzen Sätzen noch möglich sein. Wer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, sollte Intensität und optimalen Trainingspuls am besten mit dem Arzt vorab besprechen. Eine Belastungsuntersuchung hilft, individuelle Werte festzulegen.
Warum ist regelmäßiges Pulsmessen wichtig?
Wer regelmäßig seinen Pulsschlag kontrolliert, lernt den eigenen Herzschlag besser kennen und kann Veränderungen frühzeitig bemerken. Eine dauerhaft erhöhte Pulsfrequenz oder unregelmäßige Pulsschläge können auf eine Herzrhythmusstörung wie Vorhofflimmern hinweisen.
Mit dem #PULSEDAY am 1. März macht die Deutsche Herzstiftung auf die Bedeutung der regelmäßigen Pulsmessung aufmerksam. Der Aktionstag wird von einem Expertenkomitee aus Kardiologinnen und Kardiologen mit Schwerpunkt Herzrhythmusstörungen fachlich begleitet.
Ziel ist es, über Herzrhythmusstörungen aufzuklären und möglichst viele Menschen zu motivieren, ihren Puls regelmäßig selbst zu kontrollieren. Denn die Pulsmessung ist einfach, überall möglich und kann helfen, bislang unbemerkte Herzrhythmusstörungen frühzeitig zu erkennen.
Unser Informationsmaterial
Kennen Sie Ihren Puls?
Herz aus dem Takt – Vorhofflimmern erkennen und handeln
Jeder Schritt zählt
Experte
- 60323 Frankfurt am Main
- info@herzstiftung.de
- www.herzzentrum-an-der-alster.de
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.
Jetzt spenden!
Unterstützen Sie die Herzstiftung
Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit für die Herzgesundheit! Mit Ihrer Spende helfen Sie, Herzen und Leben zu retten.
Ihre Fragen
Ihre Mitgliedschaft
Nutzen Sie die Vorteile einer Mitgliedschaft
Mehr zur Anatomie des Herzens