In den Jahren 2024 und 2025 wurden in verschiedenen Medien Vorwürfe erhoben, dass der von 2016 bis 2020 am Universitätsspital Zürich tätige Chefarzt der Herzchirurgie, Francesco Maisano, aufgrund finanzieller Interessen Krankenunterlagen und wissenschaftliche Berichte gefälscht haben soll. Dabei wurde von Patienten berichtet, bei denen es im Rahmen des Eingriffs zu teils erheblichen Komplikationen bei der Implantation des Cardioband-Systems gekommen ist. Ein aktueller Untersuchungsbericht scheint diese Vorwürfe zu bestätigen.
In der Folge der ersten Berichte im Jahr 2024 hatten sich Patienten, die in der Vergangenheit mit einem Cardioband versorgt wurden, mit großer Sorge an die Herzstiftung gewandt. Wir können zu den Vorkommnissen in Zürich nicht Stellung nehmen, da uns dazu keine näheren Informationen vorliegen, die über die offizielle Berichterstattung zum Untersuchungsbericht des Universitätsspitals Zürich im April 2026 hinausgehen. Mit dieser Stellungnahme soll jedoch das Verfahren nochmals näher erklärt werden, um so Sorgen zu verringern, die vielleicht nach wie vor bestehen.
Wenn die Trikuspidalklappe nicht richtig schließt
Die Trikuspidalklappe ist die Herzklappe zwischen rechter Herzkammer und rechtem Herzvorhof. Wird sie undicht, kommt es teilweise zum Rückfluss des Blutes Richtung Körper. In den meisten Fällen entsteht eine solche Undichtigkeit (Insuffizienz) durch Erweiterung der rechten Herzkammer, die zur Überdehnung des Klappenrings führt.
Eine Undichtigkeit dieser Herzklappe ist häufig und kann bei 65-85 Prozent der Bevölkerung nachgewiesen werden. Eine leichtgradige Insuffizienz bei normaler Klappenstruktur ist unproblematisch. Doch schon eine mittelgradige Undichtigkeit ist mit einer erhöhten Krankheitslast und Sterblichkeit verbunden.
Eine Trikuspidalinsuffizienz geht typischerweise mit Symptomen der Herzschwäche, insbesondere in Form von Atemnot, Müdigkeit, und Wasseransammlungen um die Lunge und in den Beinen einher. Die Diagnose wird meist durch eine Herzultraschalluntersuchung gestellt.
Da die Undichtigkeit allerdings oft erst spät erkannt wird, wirken Medikamente häufig nicht mehr gut und das Risiko für eine operative Korrektur der Klappe ist dann zu hoch. Lange Zeit blieben daher etliche Patienten mit dieser Erkrankung unbehandelt.
Welche Verfahren stehen bei einer Undichtigkeit der Klappe zur Verfügung?
Insbesondere Patienten mit deutlicher Trikuspidalklappeninsuffizienz sind meist Hochrisikopatienten, deren Behandlung besonders komplex ist. Prinzipiell basieren die zur Verfügung stehenden Techniken auf den bereits etablierten Verfahren zur perkutanen Therapie der Mitralinsuffizienz. Die Möglichkeit, auch die Trikuspidalklappe kathetergestützt zu behandeln, hat die Situation von Patienten in den letzten Jahren erheblich verändert.
In Europa sind dabei bisher drei Verfahren zum routinemäßigen Einsatz gekommen:
- die Reparatur mit einem Clip, der an den Klappensegeln ansetzt,
- der Ersatz der Klappe mit einer Prothese und
- die Anuloplastie, also Korrektur des Klappenrings (dazu gehörte auch das Cardioband).
Mit über 6.000 Eingriffen pro Jahr in Deutschland ist die „Clip“-Reparatur das bei weitem am häufigsten eingesetzte Verfahren. Der ebenfalls zugelassene Klappenersatz findet immer weitere Verbreitung. Das Cardioband, welches ebenfalls als Therapie zugelassen war, wurde immer in geringerem Umfang (zwischen 100 und 200 Prozeduren pro Jahr) eingesetzt und ist aktuell gar nicht mehr im Einsatz, da die Firma die CE-Zertifizierung nicht verlängert hat.
Wie funktionierte das Cardioband-System?
Beim Cardioband-System handelte es sich um ein zusammenziehbares Band, welches über die Leistenvene eingebracht und mit mehreren Schraubankern im Herzmuskelgewebes des Ringes der Trikuspidalklappe befestigt wurde. Nach Implantation wurde das Band dann ebenfalls über einen Katheter zusammengezogen. Dadurch wurde die Klappe quasi gerafft, wodurch sich die einzelnen Segel der Klappe aufeinander zu bewegten. So wurde die Dichtigkeit der Herzklappe wiederhergestellt.
Anfänglich wurde das System für die Mitralklappe, also die Herzklappe, die zwischen linker Herzkammer und linkem Herzvorhof liegt, entwickelt. Anders als bei der Trikuspidalklappe spielen hier jedoch Veränderungen der Klappensegel oder der beschädigte Zug an den Klappensegeln durch in der Herzkammer befestigte Sehnenfäden eine entscheidende Rolle für die Klappenundichtigkeit und weniger die Aufweitung des Klappenringes. Aus diesem Grund wurde das Cardioband-System für die Mitralklappe schon länger nicht mehr eingesetzt.
Was ist wichtig zu wissen über das Cardioband-Verfahren?
Zur Einordnung der Berichterstattung ist es wichtig zu verstehen, dass die beschriebenen Komplikationen ganz überwiegend aus der Frühphase der Verwendung des Cardioband-Systems stammten. Da das System das erste verfügbare System dieser Art war, waren hier die Erfahrungen für die kathetergestützte Behandlung der Trikuspidalklappe insgesamt limitiert.
So ist beispielsweise die Ultraschall-gestützte Darstellung der Klappe und der Katheter für alle Prozeduren von entscheidender Wichtigkeit. Hier haben sich die Darstellungstechniken im Vergleich zur Anfangsphase erheblich weiterentwickelt. Weiterhin wurde in der Anfangsphase nicht erkannt, dass es verschiedene Schweregrade und Formen der Trikuspidalklappenundichtigkeit gibt. Diese konnten definiert werden und damit auch, für welche Formen der Undichtigkeit es sich eignete.
Cardioband keine Therapieoption mehr
Diese und viele andere Erkenntnisse haben dazu geführt, dass Cardioband-Implantationen zuletzt sicherer und effizienter als in der Anfangsphase durchführbar waren. Dennoch haben die anfänglichen Erfahrungen auch in der Ärzteschaft zu einer gewissen Zurückhaltung gegenüber dem System geführt. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen der im Vergleich zur Frühphase erheblich weiterentwickelten neuen Version des Cardiobands führten dann auch nicht zu einer Zulassung für die klinische Anwendung, da die Implantation weiterhin als kompliziert eingeschätzt wurde. Eine weitere Verbreitung der Therapie erschien damit als unwahrscheinlich, so dass die vertreibende Firma die Zertifizierung nicht verlängert hat und das Cardioband somit heute nicht mehr verfügbar ist und als Therapieoption nicht mehr genutzt wird. Es gibt zwar noch andere Ansätze von anderen Firmen, die im weitesten Sinn ähnliche Verfahren testen. Ob diese jemals zur klinischen Anwendung kommen, ist aktuell unklar.
Welche Konsequenzen ergeben sich für Patienten, die mit einem Cardioband therapiert wurden?
Nachvollziehbarerweise stellt der Ausriss der Anker im Herzmuskelgewebe, wie er in der Berichterstattung beschrieben wird, ein für betroffene Patienten schreckliches Szenario dar. Alle verfügbaren Daten weisen jedoch darauf hin, dass diese Ausrisse sich in der Regel noch während oder früh nach der Implantation ereigneten und dann von der implantierenden Klinik auch festgestellt wurden. Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten zeigen die Daten eine anhaltende, sichere Reduktion der Klappenundichtigkeit nach Implantation eines Cardiobands.
So wie es für alle Herzkranken mit durchgeführten Klappeneingriffen gilt, sollten auch Patienten mit einem implantierten Cardioband, die sich in einer stabilen klinischen Situation befinden, regelmäßig kardiologische Kontrolluntersuchungen durchführen lassen. Das empfehlen auch stets die behandelnden Kardiologen. Sollte ein Problem mit dem Cardioband bestehen, kann dies durch eine routinemäßige Ultraschalluntersuchung des Herzens festgestellt werden. Ist hier alles in Ordnung, ergibt sich keine Notwendigkeit für weitere Maßnahmen. Sollte sich tatsächlich ein verdächtiger Befund ergeben, erfolgt in der Regel eine Überweisung an die implantierende Klinik. Notfallsituation sind jedoch die absolute Ausnahme.
Fazit: routinemäßige empfohlene kardiologische Nachsorge ausreichend
Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich keine Notwendigkeit für akute oder außerplanmäßige Maßnahmen ergibt und die routinemäßige empfohlene kardiologische Nachsorge ausreichend ist. Die Situation in Zürich ist nicht übertragbar auf andere Kliniken.
- Ochs, L. et al. 2023. Comparison of transcatheter leaflet-approximation and direct annuloplasty in tricuspid regurgitation. Clin Res Cardiol.
- Körber, M. I. et al. 2021. Transcatheter Treatment of Secondary Tricuspid Regurgitation With Direct Annuloplasty: Results From a Multicenter Real-World Experience. Circ Cardiovasc Interv 832-842.
- Davidson, C. J. et al. 2021. Early Feasibility Study of Cardioband Tricuspid System for Functional Tricuspid Regurgitation. JACC: Cardiovascular Interventions 14, 41-50.
Experte
Prof. Dr. med. Volker Rudolph, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Internistische Intensivmedizin, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung e. V., Direktor Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie und Sprecher Arbeitskreis Interventionelle Mitralklappentherapie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
Experte
Prof. Dr. med. Jan Gummert, Mitglied im Vorstand der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie, Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen.